Kennzahlen · OEE · Materialeffizienz

KPIs für die SMT-Fertigung: MTBF, FPY, OEE und mehr

SMT-Fertigungs-KPIs machen Linienleistung und Materialeffizienz messbar: OEE bündelt Verfügbarkeit, Leistung und Qualität; FPY und DPMO messen die Prozessqualität; MTBF/MTTR die Anlagenzuverlässigkeit; Bestandsgenauigkeit und Materialverfügbarkeit die Logistik. Dieses Glossar definiert die wichtigsten Kennzahlen mit Formel und typischen Zielwerten — und zeigt, an welchen davon das Materialmanagement direkt dreht.

Stand: 16. Juli 2026 · Verfasst vom Neotel-Engineering-Team, Berlin · Über Neotel Technology Europe

Warum ein gemeinsames KPI-Set entscheidend ist

Kennzahlen wirken nur, wenn Definition und Messpunkt festliegen: Ein FPY „ohne AOI-Pseudofehler“ und ein FPY „mit“ unterscheiden sich um Prozentpunkte, ohne dass sich die Fertigung geändert hätte. Legen Sie jedes KPI schriftlich fest (Formel, Datenquelle, Messintervall) und automatisieren Sie die Erhebung — von Hand gepflegte Kennzahlen sterben nach drei Monaten.

Die Kern-KPIs mit Formel und Zielwert

KPIFormelTypischer Zielkorridor SMT
OEEVerfügbarkeit × Leistung × QualitätWeltklasse ~85 %; realer Durchschnitt eher 55–75 %
VerfügbarkeitLaufzeit ÷ geplante Produktionszeit> 85 % — größte Blöcke: Rüsten, Materialwartezeit
FPYGutteile im ersten Durchlauf ÷ gestartete Teile> 95 %, in reifen Prozessen > 98 %
DPMOFehler ÷ (Einheiten × Fehlermöglichkeiten) × 10⁶prozessabhängig; Trend wichtiger als Absolutwert
MTBF / MTTRBetriebszeit ÷ Ausfälle · Reparaturzeit ÷ Ausfälleanlagenspezifisch; MTTR zusätzlich Service-KPI
Ø RüstzeitSumme interner Rüstzeit ÷ Produktwechselabhängig vom Mix; Ziel: Offline-Anteil maximieren
Bestandsgenauigkeitkorrekte Rollen-Datensätze ÷ geprüfte Datensätze> 99 % auf Rollenebene inkl. Restmengen
MaterialverfügbarkeitAufträge ohne Materialwartezeit ÷ alle Aufträge> 98 % — Fehlteile sind der teuerste Stillstand
Praxis-Hinweis: OEE-Programme optimieren fast immer zuerst die Maschine — dabei stecken die größten Verfügbarkeitsverluste der High-Mix-Fertigung in Rüsten und Materialwartezeit. Wer OEE hebt, ohne die Materialseite zu messen, optimiert am Engpass vorbei.

Die Material-KPIs im Detail

Bestandsgenauigkeit auf Rollenebene

Der Buchbestand muss die Realität abbilden — pro Rolle, inklusive Restmengen. Die zwei klassischen Fehlerquellen: ungezählte Rest-Rollen nach Auftragsende und manuelle Buchungen. Beides lässt sich strukturell lösen: Röntgen-Zählung bei der Rücklagerung, automatische Verbuchung durch Lagertower und Sensorregale. Hohe Bestandsgenauigkeit ist die Basis-KPI — auf ihr bauen Materialverfügbarkeit, JIT/JIS-Konzepte und jede Feinplanung auf.

Materialverfügbarkeit und Fehlteilquote

Gemessen wird am Auftragsstart: Konnte der Auftrag ohne materialbedingte Wartezeit starten? Der Hebel liegt vor der Linie — BOM-Bestandsabgleich beim Kitting macht Fehlteile Stunden vor Rüstbeginn sichtbar statt an der stehenden Linie.

Rüstzeit als Material-KPI lesen

Die interne Rüstzeit ist zur Hälfte ein Logistikwert: Rechtzeitig kommissionierte Kits und Offline-Rüstplätze verlagern Arbeit aus dem Linienstillstand heraus. Wie, steht im Beitrag SMT-Rüstoptimierung.

Floor-Life-Konformität (MSD)

Für Fertigungen mit MSD-Anteil gehört die J-STD-033-Konformität ins KPI-Set: Anteil der Rollen mit lückenlos dokumentierter Expositionszeit. Automatisch erfasst, ist sie ein Audit-Report; manuell gepflegt, ein Risiko (Details zur Norm).

KPI-Erhebung automatisieren

Jede der genannten Kennzahlen fällt als Nebenprodukt eines digitalisierten Materialflusses an: Registrierung liefert Wareneingangs- und Chargen­daten, Lagersysteme liefern Bewegungs- und Bestandsdaten, die Zählung liefert Restmengen, das MES liefert Linien­ereignisse. Eine Materialmanagement-Software führt diese Ströme in Dashboards zusammen — KPI-Reporting ohne zusätzliche Datenpflege. Was der Umstieg wirtschaftlich bringt, überschlägt der ROI-Rechner.

Material-KPIs automatisch erheben?

Wir zeigen Ihnen, welche Kennzahlen Ihr Materialfluss heute schon hergibt — und wie Bestandsgenauigkeit und Materialverfügbarkeit ohne manuelle Pflege in Ihr Dashboard kommen.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist ein guter OEE-Wert in der SMT-Fertigung?

Als Weltklasse gelten rund 85 Prozent; reale High-Mix-Fertigungen liegen häufig zwischen 55 und 75 Prozent. Wichtiger als der Absolutwert ist die Verlustanalyse: In der Auftragsfertigung stecken die größten Verluste typisch im Verfügbarkeitsfaktor — vor allem Rüsten und Materialwartezeiten.

Worin unterscheiden sich FPY und DPMO?

FPY misst auf Baugruppenebene: Wie viel Prozent bestehen alle Prüfungen im ersten Durchlauf? DPMO normiert auf Fehlermöglichkeiten: Fehler pro Million Gelegenheiten, sodass komplexe Baugruppen mit einfachen vergleichbar werden. Für Linienvergleiche und Kundenreports wird oft beides berichtet.

Warum gilt Bestandsgenauigkeit als Basis-KPI?

Weil fast alle anderen Material-Kennzahlen auf ihr aufbauen: Feinplanung, Fehlteil-Früherkennung und JIT/JIS-Versorgung rechnen mit dem Buchbestand. Weicht der von der Realität ab — meist wegen ungezählter Restmengen —, werden alle nachgelagerten KPIs und Planungen systematisch falsch.

Wie wird die Rüstzeit korrekt gemessen?

Als interne Rüstzeit von „letztes Gutteil Auftrag A“ bis „erstes Gutteil Auftrag B“, getrennt erfasst vom externen Rüsten, das parallel zur Produktion läuft. Nur diese Trennung zeigt, ob Offline-Rüstkonzepte wirken: Die externe Zeit darf steigen, wenn die interne dafür sinkt.

Was sagt MTTR über den Lieferanten aus?

MTTR misst neben der eigenen Instandhaltung auch die Service-Organisation des Herstellers: Ersatzteilverfügbarkeit, Fernwartung, Reaktionszeit. Bei der Anlagenbeschaffung lohnt es sich, garantierte Reaktionszeiten und Fernwartungszugang vertraglich zu fixieren — sie bestimmen den MTTR-Anteil, den Sie nicht selbst kontrollieren.

Welche KPIs verbessert ein automatisches Materialmanagement direkt?

Unmittelbar: Bestandsgenauigkeit (automatische Verbuchung, gezählte Restmengen), Materialverfügbarkeit (BOM-Abgleich vor Rüstbeginn), interne Rüstzeit (Batch-Kitting für Offline-Rüsten) und Floor-Life-Konformität (automatisches Expositions-Tracking). Mittelbar dadurch: OEE-Verfügbarkeit und Termintreue.