Was ist eine Kitting Station? Funktion, Vorteile, Auswahl
Eine Kitting Station ist der Arbeitsplatz beziehungsweise Systembereich, an dem das komplette Material eines Fertigungsauftrags — Bauteilrollen, Trays, Stangen, Schablone, Lotpaste — zu einem auftragsbezogenen Kit zusammengestellt wird, bevor die Linie umgerüstet wird. In der SMT-Fertigung ist die Kitting Station das Bindeglied zwischen Lager und Bestücklinie: Sie entscheidet, ob Offline-Rüsten funktioniert oder an fehlendem Material scheitert.
Wie funktioniert Kitting in der SMT-Fertigung?
Ausgangspunkt ist die Stückliste (BOM) des nächsten Fertigungsauftrags. Aus ihr entsteht eine Kommissionierliste: welche Bauteilrollen in welcher Menge, welche Feeder, welche Schablone, welche Lotpaste. Das Kitting läuft dann in vier Schritten:
- Bedarfsermittlung: BOM wird gegen den Echtzeit-Bestand geprüft — inklusive Restmengen bereits angebrochener Rollen. Fehlteile werden vor Rüstbeginn sichtbar, nicht erst an der Linie.
- Auslagerung: Die Rollen werden aus dem Lager geholt — manuell per Pickliste, per Pick-to-Light-Anzeige oder vollautomatisch als Batch aus dem Lagertower.
- Kit-Bildung: Material wird auftragsbezogen auf Rüstwagen oder in Kit-Behälter gestellt und dem Auftrag digital zugeordnet.
- Übergabe an den Rüstplatz: Am Offline-Rüstplatz werden die Feeder aus dem Kit bestückt; die Linie übernimmt den fertigen Wagen.
Manuell, geführt oder automatisch — die drei Ausbaustufen
| Stufe | Ablauf | Typische Schwächen / Stärken |
|---|---|---|
| Manuelles Kitting | Werker sucht Rollen anhand einer Papier- oder Bildschirmliste im Regal | Hoher Suchaufwand, Verwechslungsgefahr, Kommissionierzeit kaum planbar — aber ohne Investition machbar |
| Geführtes Kitting (Pick-to-Light) | LED-Anzeigen am intelligenten Regal führen den Werker Position für Position durch die Pickliste | Suchzeit nahe null, Quittierung je Entnahme, Fehlgriffe werden sofort erkannt — Werker bleibt im Prozess |
| Automatisches Kitting | Lagertower lagert die komplette Auftrags-Materialliste selbstständig als Batch aus | Kommissionierung läuft mannlos parallel zur Produktion; Durchsatz und Reihenfolge plant das System |
Was bringt eine Kitting Station konkret?
- Kürzere Rüstzeiten: Material liegt vollständig bereit, bevor die Linie stoppt — die Grundvoraussetzung für Offline-Rüsten nach SMED.
- Weniger Materialfehler: Auftragsbezogene Kits mit digitaler Zuordnung verhindern, dass eine falsche Rolle an die Linie gelangt — besonders bei verwechslungsträchtigen Gehäusen.
- Fehlteil-Transparenz: Der BOM-Bestandsabgleich meldet fehlende oder zu knappe Rollen Stunden vor Rüstbeginn; Nachschub oder Umplanung passiert rechtzeitig.
- Saubere Restmengen: Nach Auftragsende werden Kits zurückgemeldet; Restmengen fließen mit korrigiertem Bestand zurück ins Lager (idealerweise über eine Röntgen-Zählung).
- Traceability: Die Kit-Zuordnung dokumentiert, welche Rolle in welchem Auftrag verbaut wurde — Basis der Rückverfolgbarkeit auf Rollenebene.
Auswahlkriterien: Welche Kitting-Lösung passt zu Ihrer Fertigung?
Auftragsstruktur
Viele kleine Lose mit breitem Bauteilspektrum sprechen für automatisches Batch-Kitting aus dem Tower (etwa dem SMD BOX MIMO mit Mehrrollen-Auslagerung); wenige, stabile Produkte kommen oft mit geführtem Kitting am Pick-to-Light-Regal aus.
Anbindung an ERP und Planung
Die Kitting Station braucht die Auftrags-BOM und liefert Verbrauchs- und Restmengen zurück. Eine standardisierte MES/ERP-Schnittstelle (SAP, SIPLACE WORKS, NEXIM, PanaCIM) erspart Insellösungen und doppelte Pflege.
Sondermaterial
MSD-Bauteile dürfen das Kitting nur innerhalb ihrer Floor Life durchlaufen; Lotpaste und Schablonen haben eigene Bereitstellprozesse. Prüfen Sie, ob die Lösung diese Materialklassen mit abdeckt oder ausklammert.
Platz und Materialfluss
Die Kitting Station gehört zwischen Lager und Rüstplatz — kurze Wege schlagen jede Systemoptimierung. Bei AGV-Anbindung übernehmen fahrerlose Transportsysteme die Kit-Übergabe an die Linie.
Kitting-Prozess automatisieren?
Unsere Vertriebsingenieure rechnen Ihnen vor, wie viel Kommissionier- und Rüstzeit ein automatisches Kitting in Ihrer Fertigung einspart.
Angebot anfordernHäufig gestellte Fragen
Was gehört alles in ein SMT-Kit?
Alle Materialien eines Fertigungsauftrags: Bauteilrollen, Trays und Stangen laut BOM, dazu je nach Prozess Feeder, Schablone, Lotpaste und Begleitdokumente. Das Kit wird dem Auftrag digital zugeordnet, damit Entnahme, Verbrauch und Restmengen rückverfolgbar bleiben.
Worin unterscheidet sich Kitting von normaler Kommissionierung?
Kitting ist auftragsbezogene Kommissionierung: Es wird nicht ein einzelnes Material geholt, sondern die vollständige Materialliste eines Auftrags als zusammengehöriges Set gebildet und digital dem Auftrag zugeordnet. Der Mehrwert liegt in der Vollständigkeitsprüfung vor Rüstbeginn und der sauberen Rückmeldung von Restmengen.
Lohnt sich eine Kitting Station auch für kleine Fertigungen?
Ja — gerade kleine High-Mix-Fertigungen verlieren prozentual am meisten Zeit durch Materialsuche. Der Einstieg muss kein Lagertower sein: Ein Pick-to-Light-Regal mit BOM-Import senkt Suchzeit und Fehlgriffe bereits deutlich und wächst später mit einer Tower-Lösung mit, sofern beide denselben Bestand führen.
Wie verhindert eine Kitting Station Materialverwechslungen?
Durch digitale Zuordnung statt Sichtprüfung: Jede Rolle trägt eine eindeutige ID, jede Entnahme wird gescannt oder vom System quittiert. Greift der Werker in ein falsches Fach beziehungsweise scannt eine falsche Rolle, meldet das System den Fehler sofort — nicht erst die AOI nach der Bestückung.
Was passiert mit Restmengen nach dem Auftrag?
Angebrochene Rollen gehen mit dem Kit zurück, werden gezählt (am genauesten per Röntgen-Bauteilzähler), mit korrigierter Restmenge zurückgebucht und wieder eingelagert. Ohne diesen Schritt driftet der Buchbestand vom realen Bestand weg — die häufigste Ursache für Fehlteile trotz „vollem“ Lager.
Kann das Kitting vollautomatisch ohne Werker laufen?
Die Auslagerung ja: Automatische Lagertower stellen die Rollen eines Auftrags als Batch mannlos bereit, auf Wunsch AGV-gestützt bis an den Rüstplatz. Das Bestücken der Feeder bleibt in den meisten Fertigungen ein manueller, geführter Schritt am Offline-Rüstplatz.